Jürgen Hofmaier ist Leiter Facility Management bei der Swissprinters AG und Vize-Präsident des Verbands fmpro. Zudem engagiert er sich im Kompetenznetzwerk fmpro energy. Im Interview erzählt er, was ihn bei seiner täglichen Arbeit im Verband und im Unternehmen beschäftigt.

Die Swissprinters AG ist ein in der grafischen Industrie tätiges Gemeinschaftsunternehmen der Schweizer Medienhäuser Ringier und NZZ-Mediengruppe. Rund 320 Mitarbeitende sind für das Unternehmen in Zofingen tätig und bieten umfassende Leistungen in den Bereichen Druck, Premedia, Weiterverarbeitung und Verlagsservices an. Der 50-jährige Jürgen Hofmaier leitet dort das Facility Management.

Herr Hofmaier, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Position am meisten?
Bei uns gibt es das gesamte Spektrum des Facility Managements. FM wird ja oft verkannt und auf Hausmeister- oder Reinigungstätigkeiten reduziert, das ist leider immer noch in vielen Köpfen so verankert. Meine Aufgaben sind jedoch sehr strategisch ausgerichtet. Auf unserem Areal sind beispielsweise die Mobilität und Verkehrskonzepte grosse Themen. Zudem vermieten wir Teile der Liegenschaft, also haben wir auch Aufgaben im kaufmännischen Bereich. Der Umweltgedanke und die Nachhaltigkeit sind wichtige Aspekte in unserem Unternehmen und wird aktiv in der Zertifizierung von ISO 14001 und ISO 9001 gelebt. In einem Medienunternehmen wie dem unseren gibt es eine hohe Dynamik, die Anforderungen ändern sich laufend. Dementsprechend müssen wir kontinuierlich strategische Entscheidungen treffen. Dazu gehören auch Büroplanungen und die moderne Arbeitswelt: wir haben eine neue Bürolandschaft entwickelt, weg von Einzelbüros hin zu Grossraumbüros mit Begegnungsflächen und kurzen Wegen, alles ist heute transparent. Da gilt es eine Balance zu finden zwischen einer gewissen Individualität und Privatsphäre und offenen Kommunikations- und Informationsflüssen. Das haben wir umgesetzt und profitieren heute von grossen positiven Effekten. Die Begegnungsflächen werden genutzt und es findet ein reger Austausch und auch ein Umdenken statt.

Welche Rolle spielen Fragen der Energienutzung?
Eine sehr wichtige Rolle. Wir sind ein grosser Produktionsbetrieb mit einem hohen Energieverbrauch. Also erstellten wir eine Energieanalyse, das war eine komplexe und breite Aufgabe, die auch die Heizungsinstallationen umfasste. Im Zuge der Analyse reduzierten wir die Vorlauftemperatur der Heizung um zwei Grad und konnten substanzielle Einsparungen pro Jahr realisieren. Durch ein paar Handgriffe und durch das Hinterfragen historisch gewachsener Aspekte kann man da beträchtliche Summen einsparen. Natürlich sind auch Themen wie Gebäudesanierungen oder Fassaden wichtig und notwendig, doch die organisatorischen Veränderungen und das aktive Managen der Energien erlauben hohe Einsparungen ohne grosse Investitionen.

Solche Erkenntnisse bringen Sie auch in den Verband ein?
Das ist sogar eine meiner Haupttätigkeiten im Verband, ich engagiere mich sehr stark im Kompetenznetzwerk fmpro energy. Der Verband ist eine wichtige Stütze für die Schweizer Wirtschaft, um ihre Ziele in diesem Bereich zu erreichen. Jeder redet von der Energiestrategie 2050. Aber alle fokussieren dabei auf die Planung und den Bau. Oft geht vergessen, dass die rund zwei Millionen Gebäude in der Schweiz auch unterhalten und betrieben werden. Man kann die besten Fenster und Aussenhüllen verwenden und nach Minergie-Standard bauen. Doch die dadurch eingesparte Energie kann man während dem Betrieb der Gebäude gleich wieder verlieren. Hier sehe ich den Ansatz des Facility Managements und des Kompetenznetzwerks. Wir sind nicht diejenigen, die Energie einkaufen oder Fassaden optimieren. Wir müssen beim Verhalten ansetzen, wollen es beeinflussen, wollen aufklären und uns auf den letzten Meter des Energiemanagements fokussieren. Man muss wissen, wo im Unternehmen die Energieflüsse sind und wo man den Hebel ansetzen kann. Wer das nicht weiss, ist im Blindflug. Wir initiieren deshalb mehrere Projekte: So sollen sich unsere Mitglieder im Dschungel der Förderprogramme orientieren und die richtigen und wichtigen Kriterien und Kennzahlen finden. Und es gibt keine Standards im Bereich Energiemanagement und das wollen wir ändern. Wir müssen FM-Mitarbeitende an dieses Thema hinführen und ihnen aufzeigen, wie sie eine Anlage optimal betreiben können und wie eine entsprechende Analyse aussehen soll. Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern, dass wir selbst bei stetigem Wachstum mit unseren bestehenden Rohstoffen noch Jahrhunderte haushalten könnten, wenn wir nur den Betrieb und Unterhalt unserer Gebäude effizienter gestalten würden. Es erfordert keine beziehungsweise eine geringere Anzahl von neuen Kraftwerken, wenn man das Wachstum über das Verhalten und über intelligentes Energiemanagement kompensieren würde. Dem haben wir uns verschrieben und das möchten wir forcieren. Wir sind hierzu auch mit Behörden wie dem Bundesamt für Energie im Gespräch. Wir wollen Projekte realisieren und Nutzer aufklären. Und wir sehen auch auf der Bildungsebene im Bereich FM noch viele Möglichkeiten in diesem Bereich. Eine Energie-Bildung ist unumgänglich. In diesem Rahmen möchten wir vermehrt attraktive Seminare und Weiterbildungen anbieten.

Wie kamen Sie eigentlich zum Thema Facility Management?
Ich stamme aus der Instandhaltung, war Technischer Leiter eines Textilunternehmens und leitete dort das Maintanance. Eines Tages ging das Unternehmen in die Insolvenz, was für mich persönlich ein Glücksfall war. Im Jahr 2004 gelangte ich in die Welt des FM, arbeitete als FM-Dienstleister für die Novartis und betreute jahrelang das Areal des Novartis Campus und dessen Gebäude, vor allem im Bereich Gebäudetechnik. Dort In diesem Zusammenhang übernahm ich weitere Aufgaben und wurde Abteilungsleiter für den Bereich HLK-S, für alle vier Werke in Basel. Meine grösste Herausforderung als Provider für Novartis war der Aufbau der neuen Organisation für das Objektmanagement, die es davor noch nicht gab. Das Objektmanagementteam war für den Kunden der Single Point of Contact. Wir erarbeiteten und entwickelten Konzepte und passten Prozesse an. Dann wechselte ich auf die andere Seite, bin heute nicht mehr als FM-Dienstleister tätig, sondern stehe auf der Seite der Eigentümer, bearbeite die taktische und strategische Ebene und habe selbst einen Provider für den operativen Teil. Vom Facility Management war ich so fasziniert, dass ich mit 45 Jahren noch eine Master-Ausbildung an der ZHAW absolvierte.

Wie stiessen Sie zum Verband fmpro?
Ich bin seit dem Jahr 2004 Mitglied. Nach der Fusion der beiden Vorgängerorganisationen im Jahr 2010 wurde ich angefragt, ob ich mich im Vorstand engagieren würde. Ich war begeistert und brachte mich sofort in die Fachgruppen ein, leitete verschiedene Projekte und stieg innerhalb kurzer Zeit zum Vize-Präsidenten auf. Ich brenne für das Facility Management. Es ist ein derart interessantes Berufsbild, das keine Wünsche offen lässt. Ganz egal um welche Branche es sich handelt, FM braucht es immer – zwar in unterschiedlicher Ausprägung, aber es ist nicht wegzudenken, muss sich immer an die Gegebenheiten anpassen und gewinnt laufend mehr an Bedeutung, auch wenn es heute noch häufig verkannt wird.

Wie sehen Sie die künftige Entwicklung des Verbandes?
Wir werden künftig das Hausmeister- und Reinigungs-Image weiter abstreifen. FM ist viel mehr als das. Ich möchte den Verband weiter stärken und bin überzeugt, dass man an uns künftig nicht vorbei kommen kann, gerade auch im Hinblick auf die Energiestrategie des Bundes. In meinem Betrieb verfüge ich neben der Produktion über das grösste Budget und in den Liegenschaften finden sich unsere grössten Werte. Deshalb ist FM ein Thema mit einer sehr hohen Hebelwirkung. Dieses Bewusstsein müssen wir weiter schärfen, darauf müssen wir uns fokussieren. In diesem Zusammenhang ist mir auch die Bildung unserer Fachleute ein grosses Anliegen. Ich selbst machte über Jahre hinweg stetig Aus- und Weiterbildungen und verfüge heute über ein sehr grosses Wissen, das ich gerne in den Verband einbringe.

Zum Original-Artikel:

 

 

 

 

 

 

Bild: Swissprinters